Herbstkonzert 2014

Aus den Schaffhauser Nachrichten vom 10. November 2014

Risikofreude und Schmiss

Der vielseitige Musiker Erich Meili, Geiger, Musiklehrer und Dirigent, brachte mit seinen zwölf begeisterungsfähigen Hobbystreichern und -bläsern und der professionellen rhythmischen Unterstützung von Klavier und Schlagzeug einmal mehr erstaunlich Ausgereiftes zur Aufführung. Es wurden nicht «einfach Noten gespielt» (die sogenannte «leichte Muse» ist ja an sich schon alles andere als einfach zu musizieren!), sondern jedes der dargebotenen Stücke zeigte die stilsichere, persönliche Handschrift des Orchesterleiters. Die abwechslungsreiche Konzertstunde führte auf eine vergnügliche musikalische Reise von Venedig über, Wien und Berlin bis in die Masuren. Risikofreude, Schmiss und Schmelz machten die Darbietungen zu einem

unterhaltsamen Genuss.

 

Heikle Übergänge gemeistert

Es ist charakteristisch für dieses Musikgenre, dass sich andauernd Tempi, Taktarten und Stimmungen abwechseln. Die oft anspruchsvollen Übergänge sind heikel für die Instrumentalisten, und die spontanen musikalischen Überraschungseffekte des Dirigenten forderten von allen eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Durch die konzentrierte Aufmerksamkeit des hoch motivierten Ensembles traten kaum Patzer auf, und sowohl die Präzision im Zusammenspiel als auch die Intonation

der Streicher verbesserte sich mit zunehmender Gelassenheit im Verlauf des Abends. Auf den Schluss hin steigerte sich das Orchester zu Höchstleistungen und wuchs förmlich über sich hinaus.

 

Farbig und zündend

Die Titel der Musikstücke waren Programm: Operettenseligkeit in «Grigri», «Heimlich, still und leise» mit dem gemütvollen Charme der guten alten Zeit, «Ohne Sorgen» als heitere Polka, eine «Nacht in Venedig» mit extravagantem Arrangement, «Liebesfreud » mit Wiener Schmäh und ein «Plappermäulchen» mit Witz und Drive. Die erste Zugabe nach dem herzlichen Applaus führte mit neuerem, jazzigem Sound «An ferne Ufer» und ein fröhlicher Marsch in die fernen Masuren des Ostens. Die zündende, farbig-freie Gestaltung eines Konzert-Potpourris mit spanischen Anklängen war mit «Wiederhören

macht Freude» übertitelt. Wie überaus sinnig! Frischauf zum nächsten Konzert im Frühling!

Gisela Zweifel-Fehlmann


Kulturelle Begegnung

Aus den Schaffhauser Nachrichten vom 17. Februar 2014

 

Salonorchester entführte in die Operettenseligkeit

 

Das Salonorchester Schaffhausen ist ein Phänomen. Nicht nur, dass es auf ein über 75-jähriges Bestehen zurückblicken kann, erstaunt, sondern ebenso sehr, dass es sich nach wie vor in die Herzen zu spielen vermag: in die eigenen seiner fünfzehn Instrumentalisten (überwiegend Laien, die mit ebenso viel Lust wie Ernsthaftigkeit musizieren) und in diejenigen seiner Zuhörerschaft. Beides fand denn auch Ausdruck bei seinem Konzert im Rahmen der vierten, von Stadt und Musik-Collegium Schaffhausen organisierten «Kulturellen Begegnung» am Sonntagvormittag in der bis auf den letzten Platz gefüllten Rathauslaube.

 

Salonmusik ohne Oberflächlichkeit

Das Ensemble unter der Leitung von Erich Meili bewies ausgesprochene Spielfreude, selbst wenn diese hinter der Konzentration und dem angestrengten Bemühen, dem nicht geringen Anspruch an das eigene Können zu genügen, optisch kaum sichtbar wurde. Die Begeisterung der Zuhörenden lag hingegen auf der Hand: Mit anhaltendem Applaus wurden drei Zugaben erklatscht, und wohin man auch hörte, vernahm man nur Lob. Dass es reichlich verwackelte und nicht immer reine Streicherklänge gab oder die Stärken der Geigen nicht unbedingt im Unisonospiel lagen, mag angemerkt sein. Demgegenüber darf aber auch nicht die Sicherheit der Bläser verschwiegen werden, die sich (vor allem Posaune und Kornett) zwar da und dort etwas gar in den Vordergrund schoben, sich jedoch als Rückgrat der Interpretation erwiesen. Und das Schlagzeug gab dem rhythmischen Fluss und der angestrebten Beschwingtheit bei klug dosierten Tempi viel und präzisen Halt. Und das Wichtigste: Die Melodienseligkeit, von der die ausgewählten Werke (besonders aus Operetten von Franz Lehár, Fred Raymond und Robert Stolz) getragen werden, glitt selten in jenen Bereich der Salonmusik ab, der das leicht Fassliche und Sentimentale mit dem Oberflächlichen gleichsetzt.

 

Schmelz … nicht Schmalz

Letzteres ist sicherlich ein grosses Verdienst des das Salonorchester seit nun gut einem Jahr formenden Dirigenten und Violinisten Erich Meili. Ihm geht es nicht bloss um das Unterhaltende dieser von der leichte Muse geküssten Musik, sondern um deren Esprit, um die überraschenden Wendungen und um die Ausstrahlung. Das Musikantische erreicht er mit Freude am Detail, mit differenzierter Dynamik und mit dem Einsatz des instrumentalen Farbenreichtums sowohl beim Solistischen als auch beim Orchestralen. Die Glanzlichter des Programms – im Grossen und Ganzen jenes wie beim Herbstkonzert des Salonorchesters im vergangenen November – setzte die Solistin, die in St. Gallen geborene und in Winterthur wohnhafte Sopranistin Andrea Viaricci. Sie ist in vielen Sparten zu Hause – von der Oper über die Operette und das Musical bis zu spiritueller Musik –, aber hier, als Operettensoubrette, liess sie, neben ihren stimmlichen Qualitäten, so viel und geradezu physischen Charme aufblitzen, dass der ehrwürdige Saal der Rathauslaube zum eigentlichen Tempel der leichten Muse wurde.

So zauberte sie den «Frühling in San Remo» (aus Lehárs «Wiener Frauen») nach Schaffhausen, schmachtete sich durch das «Spiel auf deiner Geige das Lied von Leid und Lust» (aus «Venus in Seide» von Robert Stolz, wobei Erich Meili den Taktstock mit der Geige tauschte) und trällerte schalkhaft das «Casanova-Lied» von Gerhard Winkler. Kurz: Operettenschmelz (nicht Schmalz!) und -seligkeit von der feinen Sorte.

Martin Edlin

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Konzertprogramm
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